Den Gürtel enger schnallen oder im Diätenwahn

Der Diäten -Wahnsinn greift um sich. Wenn man nicht aufpasst, geht es schneller als man denkt: Der Gürtel wird langsam eng und muss wieder um ein Loch erweitert werden. Tagtäglich werden wir mit Köstlichkeiten überschwemmt, sei es im Supermarkt mit seinen Probierhäppchen, die verlockende Torte im Cafe oder das Foodporn von Freunden auf Facebook. Unser Leben scheint sich vornehmlich um Essen zu drehen und hierbei in seiner genussbetonten Seite. Unsere Nahrungsaufnahme findet in Superlativen statt, der Kaffee wird gerne im XXL Becher to go getrunken, das Steak benötigt die ultrakrossen Kartoffeln oder die liebe Freundin, die uns eine extragrosse Portion zu schiebt.

Dreht sich unser Leben aussschließlich um unsere Nahrungsaufnahme oder Diäten?

Habe ich mich kürzlich gefragt als ich beschlossen habe eine Woche streng zu Fasten. Unser tägliches Leben dreht sich um Essen. Immer wieder höre ich die Aussage von Leuten, dass sie nicht auf Essen verzichten könnten oder ein typischer Satz lautet „Ich sterbe vor Hunger“. Interessanterweise kann ein Mensch relativ lange ohne Nahrung auskommen. Wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Thema gibt es wenig, dafür findet man historische, politische Beispiele wie Mahatma Gandhi der ca.  21 Tage fastete. Verschiedene Berichte über Hungerstreikende berichten von einem Zeitraum von 28, 36, 38 und 40 Tagen.https://www.scientificamerican.com/article/how-long-can-a-person-sur/

 

Welche Faktoren legen nun fest wie lange ein Mensch fasten kann

Neben Konstitution, Gewicht (auch Fett- und Muskelmassenreserven), Genetik und der allgemeine Gesundheitszustand  ist die Flüssigkeitsaufnahme ein wichtiger Faktor. Aus diesem Grund ist es bei allen Fastenformen wichtig viel und reichlich zu trinken. Denn ohne Wasser trocknet der Mensch innerhalb von wenigen Tagen aus, der Kreislauf kollabiert …

Weiterhin leuchtet es ein, dass ein dicker Mensch mit einigen Fettreserven deutlich länger fasten kann. Wohingegen eine junge Frau oderein junger Mann deutlich kürzere Zeiten haben wird.

Nimmt an nun die Konstitution noch genauer in Betrachtung fällt ein weiterer nicht unwesentlicher Faktor: der individuelle Stoffwechsel. Im Ayurveda wird dieser Faktor Agni genannt, oft mit der Verdauungskraft bzw. -feuer übersetzt.

Was ist Agni – das Verdauungsfeuer?

Bildhaft wird Agni gerne mit einem Feuer verglichen. Dieses Bild des Feuers hilft die verschiedenen Auswirkungen besser zu begreifen. Jeder Besitzer eines Kamins oder anderer Brennquellen kennt das Problem, das Feuer will nicht entzünden oder brennt einfach nicht richtig. Auf alle Faktoren kann ich nun nicht eingehen. Doch den Faktor der Nahrungsfülle möchte ich näher betrachten. Eingangs habe ich die Superlativen der Ernährung beschrieben.

kostenfreies Bild; Quelle. pixabay.com Monoart

Für unser Feuer -dem Agni- bedeutet die Nahrungsfülle, daß es zu oft mit großen Mengen Brennmaterial überschüttet wird. Niemand würde auf die Idee kommen, in einem vollen Kamin noch mehr Brennmaterial nachzulegen wenn noch ausreichend Material in der Feuerstelle liegt. Oder niemand würde ein zu feuchter Holzstück auf ein kleines Feuer legen…  Mit unserer Verdauungskraft tun aber genau dies. Wir nehmen jede Menge Nahrung in zu kurzen Zeitabständen, in ungeeigneter Qualität und Beschaffenheit in uns auf. Später wundern wir uns, dass wir  krank werden, den ganzen Tag schlapp oder immer dicker werden …

Wie kann man den Gürtel nun enger schnallen?

Bereits die Hatha Yoga Pradipika erwähnt ein Übermaß an Essen (Vers I-15) und hat dafür eine Empfehlung parat. Es wird empfohlen ein Viertel des Magens „zu Ehren Shivas“ leer zu lassen. Das bedeutet schlichtweg, weniger zu essen. EIn großes Problem heutzutage ist ja, dass wir die Nahrung viel zu schnell und unaufmerksam in uns hineinschlingen. Der Körper hat kein Zeit zu realisieren, dass er etwas bekommen hat und in welche Mengen. Immerhin fließt die Energie dort hin, wo wir unsere Aufmerksamkeit haben. Also in die Fernsehsendung, das Buch oder einfach in die WhatsApp-Nachricht… Alles DInge, die wir gerne beim Essen machen.

Den Gürtel enger zu schnallen, bedeutet in diesem Fall einfach kleine Portionen zu essen. Diese Portionen nehmen wir dabei in Achtsamkeit ein. Historisch gesehen, ist das Tischgespräch eine moderne Erfindung. Vielmehr wurde früher beim Essen geschwiegen, angefangen mit dem Tischgebet und vollendet in den passenden Konversationsthemen „zu Tische“.

Kaiser, König, Bettler -ein weiterer Diätplan

Ein Lehrsatz aus meiner Schulzeit lautete, dass man wie ein Kaiser frühstücke, zu Mittag wie ein König und abends wie ein Bettler esse. Hier hat sich nun in unserer Gesellschaft eine Wandlung ergeben. Gefrühstückt wird oft nur der Kaffee mit einer Zigarette, damit der Stuhlgang im Anschluss noch schnell vor der Arbeit klappt. Das Mittagessen wird in der Kantine schnell zwischen den Arbeitsgesprächen runtergeschlungen, wenn nicht nur auf eine Kleinigkeit reduziert. Resultat ist, man hat abends nun Hunger wie ein Bär und trägt ein Büffet zu Tisch, das manchen Südländer erblassen lassen würde…

Der Kaiser, König und Bettler mag heutzutage ernährungswissenschaftlich umstritten sein. Diese Drei definieren erst mal nur 3 (!) Essenszeiten ohne den Cappucino und den Muffin auf die Hand zwischendurch. Sondern zwischen den Mahlzeiten wurde gefastet und keine weiteren Kalorien zu sich genommen. Der 16 Uhr Kaffeetisch war etwas besonderes, der nur am Wochenende zelebriert wurde.

kostenfreies Bild; Quelle: pixabay.com ShiftGrapihiX
Je länger ich schreibe

umso mehr Gedanken habe ich nun, die sich um das Essen drehen. Doch anders als zu Beginn des Blogs geht es mir nicht mehr um das WAS sondern um das WIE. Während meiner Fastenwoche habe ich gelernt, dass das WAS nur kurzfristig Erleichterung verschafft. Seither habe ich mehr Zeit und Lust mich auf das WIE zu konzentrieren.

Und das WIE wird auch noch meinen nächsten Blog betreffen..

 

Bleiben Sie gesund!

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