Elemental Yoga

Brennnessel Abenddämmerung

Brennnessel – Unkraut oder Allrounder

Für viele gilt die Brennnessel als Unkraut, dabei ist sie vielmehr ein Allrounder.

„…wenn sie frisch aus der Erde sprießt, ist sie gekocht nützlich für die Speisen des Menschen, weil sie den Magen reinigt und den Schleim aus ihm wegnimmt…“ Hildegard von Bingen

Seit ich mich erinnern kann, war diese Pflanze für mich schon immer etwas besonderes:

Die Brennnessel

Schon die Ansammlung der 3 N in Folge wirkt für den gewöhnlichen Betrachter aussergewöhnlich, man muß schon genauer hinsehen um diese Schreibweise zu verdauen. Und wie mit der Schreibweise so geht es einem im Allgemeinen mit der ganzen Pflanze. Mit der Nessel entwickelt man selten eine Liebe auf den ersten Blick und dennoch ist die Pflanze vom Menschen schon recht lange mehr oder weniger kultiviert. Sie erobert meistens Gebiete, die der Mensch zuvor zerstört hat oder wo seine Abfälle lagern. Wie keine andere Pflanze heilt sie den Boden, indem sie zu viel Stickstoff umwandelt, und bereitet mit ihren langen, kriechenden Wurzeln den Humus für kommende Generationen ein.

An Häuserecken, Schrottplätzen oder am Abhang

finde ich die Brennnessel immer üpig wachsend in der Sonne stehend oder gelegentlich im Schatten einer alten Scheune. Dort wächst diese Pflanze kräftig und wirkt in ihrer einzigen Pracht. Sie bewiest, daß sie für ihr Wachstum keinen besonderen Boden benötigt. Als Allrounder wächst sie einfach auf jedem Boden und verlangt dabei nur etwas Licht oder ein zu viel an Licht stört sie weniger. Die Pflanze erreicht eine Höhe von bis zu 150 Zentimetern, die Blätter sind herzförmig und besitzen einen grob gesägten Rand. Die Blütezeit erstreckt sich von Juli bis Oktober. Als Pflanze ist sie weltweit verbreitet und es sind über 30 Arten bekannt. Medizinisch eingesetzt werden jedoch nur zwei Arten: Die Große Brennnessel (Urtica dioica) und Die kleine Brennnessel (Urtica urens).

Brennnessel wächst auf fast allem
kostenfreies Bild, Quelle. pixabay.com alex80
Donnernessel, Hanfnessel oder Urticae herba

Bekannt ist die Brennnessel unter vielen Namen, doch meistens ist die berühmteste Eigenschaft namensgebend: stinging nettel – die „brennende“ Nessel. Dafür für sind kleine feine, leicht brechende Brennhaare ursächlich, diese sitzen am Stängel und am Blatt und haben eine feine Sollbruchstelle. Bei der leichtesten Berührung zerbirst das Köpfchen der Brennhaare und bohrt sich in die Haut des Eindringlings. Ähnlich wie mit einer Kanüle wird der Zellsaft aus Ameisensäure, Acetylcholin und Histamin mit Druck unter die Haut gebracht und verursacht dort einen juckenden (brennenden) Hautausschlag. Übrigens rührt daher der lateinische Name: Urticae. Urere (lateinisch) bedeutet brennen. Aber das ist nur eine ihrer Eigenschaften, denn die Brennnessel ist ein wahrer Allrounder. So soll die Brennnessel gut beim Abnehmen helfen. Sie weist eine stark entgiftende Wirkung auf, regt die Verdauung und den Stoffwechsel an, ist reich an pflanzlichem Eiweiß und besitzt damit einen hohen Sättigungseffekt, und sie befreit den Körper von Schlacken. Zugleich steckt die Brennnessel voller Mineralien wie Kalzium, Kieselsäure und insbesondere Kalium, was sie zu einer sehr basischen Ernährungsquelle macht. Sie enthält außerdem viel Eisen, Flavonoide (-daher die entwässernde Wirkung) sowie Vitamin C, B und K.

Die Kommission E des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte

Hippokrates bezeichnete die Brennnessel als eine der wichtigsten Heilpflanzen überhaupt. Vielleicht hat aus diesem Grund die Kommission E des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte und auch der europäische Dachverband der nationalen Gesellschaften für Phytotherapie die Pflanze näher betrachtet.

Die Kommission E und ESCOP befürworten die Behandlung mit Brennnesselkraut und Brennnesselblättern „zur unterstützenden Behandlung von rheumatischer Beschwerden sowie die innere Anwendung zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege.“ Zusätzlich empfiehlt die Kommission E Brennnesselkraut auch „zur Vorbeugung und Behandlung von Nierengrieß.“

Die Kommission E empfiehlt die Anwendung der Brennnesselwurzel für die „therapeutische Anwendung gegen Miktionsbeschwerden bei Prostata-Adenom Stadium I bis II.“ Von ESCOP wurden später noch folgende Anwendungsbereiche als positiv bewertet: „symptomatische Behandlung von Miktionsstörungen (Nykturie, Pollakiurie, Dysurie, Harnverhalt bei benigner Prostatahyperplasie Stadium I bis II).“

Der HMPC (Herbal Medicinal Product Committee) hat Brennnesselblätter, -kraut und -wurzel als traditionelles pflanzliches Arzneimittel, basierend auf langjähriger Erfahrung, eingestuft.

 
Mit Haut und Haar verwertet

Mit Haut und Haar wird die Brennnessel verwertet, denn bevor die Baumwolle nach Europa kam wurde die Pflanzenfaser zur Herstellung von Tuch verwendet. Nessel ist übrigens ein Begriff aus der Textilwelt, es handelt sich um ein Gewebe aus den Stängeln der Pflanze. Heutzutage ist das „Nesseltuch“ aus ungebleichter Baumwolle produziert. Heutzutage wird die Pflanzenfaser auch gerne zur Papierherstellung wiederverwendet und somit nachhaltig genutzt. Apopos Nachhaltigkeit!

Ich schrieb, dass die Brennnessel früher zur Herstellung von Tuch verwendet wurde. Das stimmt so nicht. Heutzutage wurde man auf die Nessel aufmerksam und so gibt es nun bereits verschiedene Produkte aus Brennnessel zum Beispiel auf Dawanda wieder zu kaufen. Der Vorteil als Rohstoff ist, daß er sich deutlich umweltschonender anbauen lässt. Er benötigt deutlich weniger Wasser und Pestizide. Die Stoffe sind sehr robust und wirken klimatisierend. Es bleibt abzuwarten, ob es ein Nischenprodukt bleibt oder doch bald in die Massenproduktion gehen kann.

Graugrün bis cremig hell sind die Farbtöne, die man erreicht, wenn an Wolle, Baumwolle oder Seide in einem starken Sud aus Brennnesseln färbt.

Welche Eigenschaften hat die Pflanze?

Die Eigenschaften der Pflanze sind hautreizend, blutbildend, stoffwechselanregend, durchfallhemmend, blutdrucksenkend, schleimlösend, wassertreibend, stärkend, blutreinigend und cholesterinsenkend.

Blutreinigung

Für die Blutreinigende Wirkung wird die Brennnessel bereits in der traditionellen Klosterheilkunde verwendet. Im Frühjahr (oder auch im Herbst) bringt die Brennnesselkur die Lebensgeister wieder richtig auf Vordermann. Wenn man den frischen Pflanzensaft verwendet, schlecht dieser nach Metall. Das macht der hohe Eisengehalt, aber er stimuliert mit seinen wichtigen Vitalstoffen sämtliche Körperfunktionen. Kann man nicht auf selbstgepressten Frischsaft zugreifen, kann man auch auf Biosäfte aus der Apotheke zurückgreifen. Unterstützend zu dieser Saftkur kann noch eine Teemischung aus 86g Brennnesselkraut, 7g Pfefferminblätter und 7g Malvenblüten getrunken werden. Dazu gibt man 1 Esslöffel Teemischung auf 1 Tasse Wasser und lässt dies dann 30 Minuten zugedeckt kochen und sieht es anschließend ab. Um eine optimal entwässernde und ausleitende Wirkung zu erzielen, sollte man pro Tasse Tee unbedingt 2 Gläser Wasser nachtrinken.

Hildegard über die Brennnessel

Ein Mensch, der gegen seinen Willen vergesslich ist, nehme die brennende Nessel und zerstoße sie zu Brei, setze diesem darauf etwas Öl zu, reibe, wenn er zum Schlafen geht, seine Brust und seine Schläfen damit kräftig ein. Tue dies wiederholt und die Vergesslichkeit wird abnehmen. Die scharfe Wärme der brennenden Nessel und die Wärme des Baumöls regen die zusammengezogenen Gefäße an, die bei wachem Bewusstsein etwas schlafen.

Es lohnt sich auf jeden Fall dieses Rezept auszuprobieren: Dazu Frische Brennnesseln im Mörser zu Saft zerstoßen oder in einer Kräuterpresse pressen. Alternativ ist es auch möglich die Pflanze im Mixer zu zerkleinern und dann durch ein Tuch laufen zu lassen. Auf jeden Fall diesen Saft in ein Glas füllen und mit derselben Menge gutem Olivenöl vermischen. Vor dem Einschlafen Brust und die beiden Schlafen damit einreiben. Nach etwa 1 bis 2 Monaten sollte man Erfolg haben.

Im Ayurveda

Im Ayurveda wird die Brennnessel ebenfalls sehr gerne angewendet und beweist hierzu eine Vielseitigkeit. Ähnlich wie in Europa wird die Brennnessel als Blutreinigungsmittel eingesetzt, aber auch zur Blutbildung und zur Milchbildung bei stillenden Frauen. Sie wird verwendet bei Bluthochdruck, Durchfall, entzündlichen Darmerkrankungen, Rheuma, Gelenkentzündungen und Gicht. Auch als Haarwuchsmittel und gegen Haarausfall ist sie im Gebrauch.

Auszüge der Pflanze werden bei Juckreiz, Verbrennungen, Abszessen und sogar bei Herpes angewendet. Die Wurzeln und Blätter der Pflanze werden zur Behandlung von Asthma, Bronchitis und als auswurfförderndes Mittel eingesetzt. Extrakte aus den Blättern werden bei Harnwegerkrankungen und Harnstein verwendet. Bei Kindern soll die Brennnessel bei Wurmbefall und (kalten) Milzerkrankungen wirken.

Innerhalb der Manualtherapie wird die Pflanze zum Beispiel für den Boli – dem Kräuterstempel- oder auch als Pulver für das Uptan verwendet. Eine allgemeine Beschreibung fällt hier schwer, denn dies ist natürlich von der Problematik des einzelnen abhängig.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten der Pflanze
  • Junge Blätter werden als Spinat oder Salat zubereitet, man gibt sie außerdem in Kräutersoßen als Brennnesselkräuterbutter oder backt sie in Omlettenteil. Bereitet man Salat, so überbrüht man die Blättchen mit kochendem Wasser, dann „brennt“ nichts mehr an. Dies funktioniert auch gut, wenn man die Blättchen vorher bricht, man rollt mit einem Nudelholz ausgiebig über die Blätter.
  • Brennnessel ist eine der wichtigsten Eisenpflanzen. Wer Eisenmangel hat, bzw. bei wem die Eisenaufnahme im Körper gestört ist, hat mit dieser Einschleuserpflanze eine biologische Formel gefunden, dem Organismus die Eisenresorption zu erleichtern und die eigene Eisenerzeugung anzuregen.
  • Bei Nieren- oder Blasensteinen nimmt man eine Messerspitze pulverisierte Wurzel pur, in Weißwein oder Tee.
  • Purer Nesselsaft mit Myrrhe gemischt, der auf das Ende der Wirbelsäule getupft wird, soll die Menstruation hervorrufen. gegen Husten und Schmerzen in der Herzgegend kocht man Nesselsamen mit Honig und Wein.
  • Mit Brennnessel-Wasser gewaschene Kopfhaut gesundet. Die bereits ausgefallenen Haare wachsen wohl kaum wieder nach, aber es werden gute Voraussetzungen geschaffen, die noch verbliebenen zu behalten. Ein gutes Haarwuchsmittel ist ein Haarwasser aus Wurzeln, die man in Apfelessig siedet. Täglich in die Kopfhaut einmassieren.
  • Brennnesselsalz: Brennnesselsamen ohne Fett vorsichtig in der Pfanne anrösten und dann im Mörser Salz unter die Samen mischen. Brennnesselsalz schmeckt köstlich auf Salat, Ei, Nudelgerichten und Gemüse und versorgt den Körper mit Eisen.
Mal zum Schluss kommen

Meine Begeisterung zu dieser Pflanze hat man nun sicherlich in diesem Blog herauslesen können. Natürlich kann ich noch einiges weiter zu dieser Pflanze berichten. Kleine Anekdoten wie meine Mutter einen Sud aus Brennnessel als preiswertes Düngemittel oder Abschreckung gegen die lästigen Schnecken nutzte. Doch dies sprengt nun langsam den Rahmen dieses Blogs und daher muss ich wohl mal zu Schluss kommen.

Eine letzte Geschichte noch zum Abschluss: Brennnesseln werden in der Walpurgisnacht (30. April) auf den Misthaufen gesteckt und mit einem Stock geschlagen. Böse Kräft haben dann keine Macht mehr über das Vieh. In der Johannisnacht hängt man an die Fenster und Türen des Stalles Brennnesselbüschel, das schützt das Vieh.

Das kräftige Grün beweist starke Inhaltsstoffe
kostenfreies Bild, Quelle: pixabay.com/ blickpixel

Jetzt sage ich erst einmal:

Bleiben Sie gesund und genießen Sie Ihre Gesundheit!

 

Hoffmann, Dr. Heinrich (1809-1894)

Brennessel, verkanntes Kräutlein

Brennessel, verkanntes Kräutlein, Dich muß ich preisen,
Dein herrlich Grün in bester Form baut Eisen,
Kalk, Kali, Phosphor, alle hohen Werte,
Entsprießend aus dem Schoß der Mutter Erde,
Nach ihnen nur brauchst Du Dich hinzubücken,
Die Sprossen für des Leibes Wohl zu pflücken,
Als Saft, Gemüse oder Tee sie zu genießen,
Das, was umsonst gedeiht in Wald, auf Pfad und Wiesen,
Selbst in noch dürft´ger Großstadt nahe Dir am Wegesrande,
Nimms hin, was rein und unverfälscht die gütige Natur
Dir heilsam liebend schenkt auf ihrer Segensspur!

 

 

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